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Was du über Verben wissen solltest

Schreibtipps: Was du über Verben wissen solltest

In diesem Betrag möchte ich mich mit Verben beschäftigen und allen Schreiberlingen und Interessierten ein paar wichtige Infos über diese spezielle Wortart liefern. Inspiraton für diesen Beitrag war der #Lektor_innenmontag, bei dem es den ganzen März über um die sogenannten Tu-Wörter ging. Hier bekommt ihr die geballte Ladung Verben-Wissen aus meinen März-Wochenbeiträgen bei Instagram.

Inhaltsverzeichnis

Verben und ihre Bedeutung

Verben sind so etwas wie die “Systemrelevanten” unter den Wörtern. Als Prädikat ist das Verb der wichtigste Bestandteil eines Satzes (Wir erinnern uns, ein Satz besteht aus: Subjekt + Prädikat + Objekt). Ohne geht’s also nicht!

In Kürze: Was ist nochmal ein Verb? Ach ja, das sind die sogenannten Tuwörter oder auch Zeit- oder Tätigkeitswörter. Und damit sind wir auch schon bei ihrer Bedeutung. Diese lässt sich in drei Klassen unterteilen:

  • Zustandsverben (Das Kind ist müde. Infinitiv: sein)
  • Vorgangsverben (Die Pflanze wächst. Infinitiv: wachsen)
  • Tätigkeitsverben (Der Autor schreibt. Infinitiv: schreiben)

Anhand der Beispiele in den Klammern zeigen sich zwei weitere Merkmale von Verben:
1) Sie stehen immer in Zusammenhang mit einem Subjekt (in den Beispielsätzen: Das Kind, die Pflanze, der Autor)
2) Sie sind veränderbar (flektierbar) und geben somit Auskunft über: die Person (1., 2., 3.), die Zahl (Singular, Plural) die Zeitform, die Handlungsart (aktiv oder passiv) und den Modus (Indikativ, Konjunktiv, Imperativ). Diese Veränderung wird als Konjugation bezeichnet.

Verben sind mitteilungsbedürftig – manche mehr, manche weniger

Verben sind unumgänglich für einen anständigen Text und sie tragen einen großen Anteil dazu bei, ob ein Text einfach, langweilig, lebendig und/oder anspruchsvoll ist. Was wir als Auto*innen vor allem anstreben, sind Texte, die spannend, lebendig und abwechslungsreich sind. Wir möchten zum Weiterlesen anregen und gut unterhalten. Unser bestes Werkzeug hierbei sind Verben. Deswegen rate ich dir, sehr sorgfältig bei der Wahl der richtigen Verben vorzugehen.

Unter der unermesslichen Auswahl an uns zur Verfügung stehenden Verben gibt es nämlich jene, die über besonders viel Aussagekraft verfügen und jene, die sich auf das Grundlegende beschränken. Je nach Textart sind die einen oder anderen besser geeignet. Ist es uns zum Beispiel wichtig, Fakten oder Informationen ohne Umschweife auf den Punkt zu bringen, sollten wir uns der einfachen Verben bedienen.

Doch in Geschichten möchten wir für gewöhnlich mehr transportieren, als nur einfache Vorgänge. Wir möchten Gefühle vermitteln und möglichst viele Sinne ansprechen. Daher ist hierbei die Auswahl besonders aussagekräftiger Verben ratsam.

In der folgenden Übersicht liefere ich dir einige Beispiele für einfache Verben und aussagekräftigere Alternativen:

gehenschlendern, stapfen, marschieren, schleichen, schreiten, flanieren …
hörenvernehmen, (be-)lauschen, horchen, …
sehen, schauenbeobachten, begutachten, inspizieren, lugen, beäugen, entdecken, schielen, …
habenetwas besitzen, über etwas verfügen, etwas bekommen, etwas erhalten, …
seinsich befinden, ausmachen, stecken, existieren, entstammen, …

Mehr Schein als sein oder auch: Was soll das Gehabe? – zu den Hilfsverben “sein” und “haben”

Bei den Verben “haben”, “sein” und “werden” handelt es sich um Hilfverben. Nicht, weil sie so hilfsbereit wären, sondern weil sie der Bildung von zusammengesetzten Verbformen dienen. Sie treten in dieser Funktion immer mit einem Vollverb auf und haben selbst keine Aussagekraft (außer, dass sie eben anzeigen, dass es sich um eine bestimmte Zeitform oder einen bestimmten Modus handelt).

Beispiele:

  • Ich habe geschlafen oder ich bin eingeschlafen.
  • Er kam zu spät, weil er den Bus verpasst hatte.
  • Sie wird später kommen

Als Vollverben machen “haben” und “sein” keine gute Form, denn sie verfügen nur über eine geringe Aussagekraft (Alternativen s. obige Tabelle).

Weitere Beispiele wie sich Sätze mit “haben” oder “sein” umformulieren lassen:

Sie hat Hunger.Sie verhungert gleich; Sie kommt beinahe um vor Hunger; Ihr knurrt der Magen; …
Ihr Kleid ist rot.Ihr Kleid erstrahlt/leuchtet in einem tiefen Rot; Sie trägt ein Kleid in Rottönen; Ihr Kleid ergießt sich wie Blut über ihren Körper; …
Er hat Angst vor engen Räumen.Er füchtet sich vor engen Räumen/Er fürchtet enge Räume; Enge Räume bereiten ihm Angst; …
Er ist Autor.Er verdingt sich als Autor; Er verdient sein Geld als Autor; Er arbeitet als Autor; Er lebt vom Schreiben, …

Hätte, wenn und aber – Modalverben

Modalverben treten zusammen mit einem Infinitiv auf und drücken Möglichkeiten, Notwendigkeiten, Wünsche oder Erfordernisse aus.

Folgende Modalverben existieren im Deutschen: dürfen, können, mögen, müssen, sollen, wollen, (lassen).

Sie haben somit mehr Aussagekraft als Hilfsverben, aber sie stellen nicht unbedingt die eleganteste Art dar, etwas auszudrücken.

Beispiele gefällig? Auch hierfür gibt es wieder Alternativen:

dürfenerlaubt; gestattet; berechtigt sein; befugt sein; das Recht/die Erlaubnis haben; …
könnenvermögen, beherrschen, die Möglichkeit haben; über die Möglichkeit/Fähigkeit verfügen; in der Lage sein; denkbar/möglich sein; …
mögen (möchten)wünschen; den Wunsch hegen; …
müssenerforderlich sein, gezwungen sein, genötigt sein zu; …
sollenbeauftragt sein; verpflichtet sein; vergönnt sein; …
wollenwünschen; den Wunsch hegen; vorhaben; verlangen; bedürfen; Anspruch erheben; anstreben; beabsichtigen; bestehen; …

Vampirverben: Wenn Verben deinem Text die Energie rauben

Eine besonders unliebsame Spezie unter den Verben sind sogenannte Vampirverben. Und nein, damit sind nicht etwa Verben wie beißen, bluten, aussaugen oder wiedererwachen gemeint. Stattdessen handelt es sich um böswillige Vertreter, die anderen Wörtern den Lebenssaft rauben und somit ihre Bedeutung schwächen. Genau genommen handelt es sich bei diesen Verben also nicht um Blutsauger, sondern um Psi- bzw. Energie-Vampire.

Zu diesen räuberischen Verben zählen: scheinen, wirken, versuchen, anfangen beginnen.

Sie tun im Grunde nichts anderes, als den Rest der Aussage abzuschwächen. Auch spüren, sehen oder hören können einen mindernden Effekt haben.

Wieder folgen Beispiele:

Die Dunkelheit schien sie gänzlich einzuhüllen. Sie hörte ein Rascheln im Gebüsch. Plötzlich spürte sie einen kalten Windhauch im Nacken und ihre Härchen fingen an, sich aufzustellen. Sie begann, sich zu fürchten. Es wirkte, als stünde jemand direkt hinter ihr.

Die Dunkelheit hüllte sie gänzlich ein. Es raschelte im Gebüsch. Plötzlich strich ein kalter Windhauch über ihren Nacken und ihre Härchen stellten sich auf. Furcht ergriff sie. Stand da etwa jemand hinter ihr?

Sprechverben und Inquit-Formel

Schauen wir uns nun noch einmal Sprechverben an, jene Verben, die wir benutzen, um die wörtliche Rede anzuzeigen. Diese Redebegleitsätzen werden auch Inquit-Formel genannte (er/sie sagt/e).

Inqit-Formel = Redebegleitsätze, bestehend aus einem Nomen oder Pronomen und einem Sprechverb. Sie leiten die wörtliche Rede ein, schließen diese ab oder stehen als Einschub inmitten der wörtlichen Rede:

Beispiele:

  • Sie fragte: „Hallo, wie geht’s dir?“
  • „Hallo, wie geht’s dir?“, fragte sie.
  • „Hallo“, sagte sie. „Wie geht’s dir?“

Nicht alle Verben bieten sich als Sprechverb an. Geeignete Verben sind z. B.: sagen, fragen, flüstern, rufen, raunen, … Keine Sprechverben sind z. B.: husten, lächeln, lachen.

Die Meinungen dazu, welche Verben für Redebegleitsätze legitim sind und wieviel Variation sinnvoll ist, gehen auseinandner. Manche Autor*innen verwenden fast ausschließlich sagen oder fragen, andere lieben die Vielfalt.

Wichtig ist: Verwende Redebegleitsätze nur, wenn sie nötig sind und achte darauf, ob es wich wirklich um Verben des Sprechens handelt.

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