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Tipps fürs Selbstlektorat

Ganz gleich, ob du Selfpublisher*in oder (angehende) Verlagsautor*in bist, mit einem ausgiebigen Selbstlektorat holst du das Beste aus deinem Manuskript heraus, ehe du es in professionelle Hände gibst. Die folgenden Tipps liefern dir eine Hilfestellung dabei, dein Manuskript eigenständig zu prüfen. Die Liste ist nicht vollumfänglich und wird stetig erweitert. Besonders Neulinge werden sicher von den Tipps profitieren, doch auch erfahrene Schreiberlinge entdecken vielleicht die ein oder andere Neuheit. Die Tipps entstammen meinem privaten Erfahrungsschatz als Autorin und Selfpublisherin, aber einige davon finden sich auch in so gut wie jedem Schreib-Ratgeber, da sie altbewährt und verbreitet sind.

Mit Selbstlektorat bezeichne ich übrigens die eigenständige Prüfung und Verbesserung eines bereits geschriebenen und überarbeiteten Manuskriptes. Eine ausführliche Selbstprüfung lege ich allen Autor*innen ans Herz, bevor der Text ins Lektorat oder zum Verlag geht. Ein kritisches Selbstlektorat wertet nicht nur dein Manuskript auf, sondern hilft dir auch dabei, dich stetig weiterzuentwickeln, deine eigenen Texte kritisch zu beurteilen und nachhaltig zu verbessern.

Das Selbstlektorat ist in diesem Sinne nicht als Ersatz für ein professionelles Lektorat zu verstehen.

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5 Tipps für dein Selbstlektorat

Inhaltsverzeichnis

Tipp 1: Das Manuskript ruhen lassen

Obwohl dieser Tipp überall beharrlich auftaucht , wird er dennoch oftmals nicht beherzigt. Aus persönlicher Erfahrung kann ich ihn allen Schreiberlingen nur dringend empfehlen! Spätestens nach der Überarbeitung des Manuskriptes sollte es wie ein Hefeteig zunächst ruhen und aufgehen. Mindestens ein paar Wochen, vielleicht sogar ein paar Monate Abstand vom eigenen Text ermöglichen es dir, dich mit mehr Distanz wieder anzunähern. Es wird dir leichter fallen Unstimmigkeiten, Plot-Holes, Fehler und Spannungseinbrüche auszumachen. Aber auch die Stärken deines Textes werden offensichtlicher. Auf diese Weise wirst du das Manuskript mit anderen Augen lesen und kannst dich weit besser auf Verbesserungen konzentrieren.

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Tipp 2: Meinung von Testleser*innen einholen

Na gut, dieser Tipp geht schon etwas weiter als das reine Selbstlektorat, denn du benötigst Hilfe von außen. Diese ist aber unersetzlich und wertvoll. Es kann eine der größten Hürden sein, das eigene Manuskript aus der Hand zu geben und von anderen lesen zu lassen. Nicht wenige Autor*innen scheitern genau an diesem Punkt, weil sie sich einfach nicht dazu überwinden können. Dabei liegt in der Zusammenarbeit mit Testleser*innen ein riesiges Potenzial. Sie können einen unverfälschten und frischen Blick auf dein Manuskript werfen, dir Unstimmigkeiten aufzeigen und einen ersten Leseeindruck vermitteln. Ist die Geschichte spannend genug? Wie kommen meine Protagonisten an? Ist alles verständlich? Dese Fragen sind selbst kaum zu beantworten. Mit der Hilfe von Testleser*innen kannst du ihnen nachspüren und dein Mauskript so noch einmal aufwerten.

Bedenke dabei: Du musst nicht alle Kritikpunkte von Erstleser*innen berücksichtigen. Letztlich liegt die Entscheidung bei dir. Wenn du dir unsicher bist, belasse die fragliche Stelle im Manuskript erstmal, wie sie ist, und kläre die Unstimmigkeit mit deinem oder deiner Lektor*in.

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Tipp 3: Manuskript am eReader korrekturlesen

Ich bin keine Freundin davon, Manuskripte auszudrucken, da mir bei dem hohen Papierverbrauch das Herz blutet. Dennoch finde ich es unheimlich wichtig, das Manuskript nicht nur am Bildschirm zu lesen. Ich habe für mich einen Kompromiss gefunden: Ich lese jedes Manuskript zum Ende des Selbstlektorats und auch ganz zum Schluss nach dem Lektorat noch einmal am eReader. (Ich persönlich habe einen Kindle Paperwhite.) Zwar hat auch der einen Bildschirm, aber darum geht es ja nicht. Wichtig ist einfach, das Manuskript noch einmal anders vor Augen zu haben. Das veränderte Format und die damit einhergehende veränderte Wahrnehmung kann Fehler, Wortwiederholungen oder andere Unstimmigkeiten enthüllen, die bei jeder vorherigen Prüfung entgangen sind.

Übrigens: Schreibprogramme wie Papyrus bieten die Funktion, das Manuskript im Ebook-Format auszuspucken (Epub oder Mobi). Eine andere Möglichkeit bietet z. B. das Programm Calibre, mit dem sich auch PDF Dateien in Ebook-Formate umwandeln lassen.

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Tipp 4: Dialoge laut lesen

Dieses Tipp bietet sich auch für das gesamte Manuskript an, aber ich persönlich finde das auf Dauer sehr anstrengend. Für Dialoge ist diese Methode jedoch unschlagbar. Dialoge können sich von dem sonstigen Text stark unterscheiden, denn hier ist fast alles erlaubt: Umgangssprache, Dialekte, kreative Wortneuschöpfungen, Lautäußerungen (z. B. “Hmm”), Wort- und Satz-Abbrüche, … Das macht sie meiner Meinung nach zu einem absolut spannenden Mittel, aber sie birgen auch ein Risiko. Denn sie dürfen auf keinen Fall gestelzt wirken. Stattdessen sollten sie natürlich und authentisch sein. Um selbstständig zu überprüfen, ob dies auf die eigenen Dialoge zutrifft, empfehle ich, die Dialoge laut zu lesen und zwar genau so, wie es im Manuskript steht, also auch die Informationen aus den Redebegleitsätzen zu berücksichtigen. Wenn es etwa heißt: “…”, feixte er und kratzte sich an der Nase, solltest du ebenfalls feixen und dir die Nase kratzen. Du wirst schnell bemerken, über welche Formulierungen du stolperst, wo Mimik, Gestik oder Sprechweise unpassend sind oder wo z. B. eine Erwiderung nicht auf das zuvor Gesagte abgestimmt ist. Vielleicht findest du ja auch jemanden, mit dem du die Dialoge zusammen durchgehen kannst.

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Tipp 5: Lieblingsfehler per Suchfunktion aufstöbern

In jedem meiner Manuskripte gibt es typische Lieblingsfehler, die immer und immer wieder autauchen. Manche bemerke ich während des Selbstlektorates, andere fallen erst meinem Lektoren auf. Es müssen auch gar nicht zwingend Fehler sein, manchmal ist es einfach ein Wort, das überproportional häufig verwendet wird. Im erste Band meiner Vampirreihe “In den Farben der Finsternis” war z. B. unverhältnismäßig vieles “heftig” oder “vollkommen”. Solche kleinen Wiederholungstaten schleichen sich meist vollkommen unbemerkt ein, bis man einmal darauf aufmerksam (gemacht) wird. Dann sieht man sie plötzlich überall und denkt: Ist ja heftig! Wie konnte mir das bisher entgehen?

Vielleicht kennst du ja schon ein paar Marotten von dir, Wörter oder Formulierungen, die du ständig verwendest oder Fehler, die du gern immer wieder einbaust. Wenn dem so ist, dann nutze die Suchfunktion, um sie gezielt aufzuspüren. Das Gute ist: Wenn du erst genug Zeit damit verbracht hast, bestimmte Wörter oder Fehler aufzuspüren und auszumerzen, wirst du sie in Zukunft nicht mehr so schnell wiederholen 😉

Übrigens: Nicht bei allen Wörtern ist ein übermäßiger Gebrauch problematisch. In meiner Vampirreihe sind die Worte “Vampir” und “Blut” auffallend oft vertreten. Aber das ist okay, denn darum geht es ja schließlich. Konzentriere dich also nicht nur auf die Häufigkeit, wenn du gewisse Begriffe oder Formulierungen auf den Prüfstand stellst 😉

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